Berichtspflichten · § 34 NISG 2026
Nicht an die Behörde, sondern an Ihr CSIRT: das sektorspezifische, sonst das nationale, über die Anwendung „NIS2-Services“ im Unternehmensserviceportal. Das CSIRT leitet an die Cybersicherheitsbehörde weiter (§ 34 Abs. 1). Die Uhr läuft ab Kenntnisnahme, nicht ab Erkennung.
Frühwarnung: gegebenenfalls mit der Angabe, ob der Verdacht auf rechtswidrige und schuldhafte Handlungen besteht oder grenzüberschreitende Auswirkungen möglich sind.
§ 34 Abs. 2 Z 1
Meldung über den Vorfall: Aktualisierung der Frühwarnung, erste Bewertung von Schweregrad und Auswirkungen, gegebenenfalls Kompromittierungsindikatoren.
§ 34 Abs. 2 Z 2
Zwischenbericht über relevante Statusaktualisierungen, wenn ein CSIRT oder die Cybersicherheitsbehörde ihn verlangt. Ohne Ersuchen läuft keine Frist.
§ 34 Abs. 2 Z 3
Abschlussbericht: ausführliche Beschreibung, Art der Bedrohung und Ursachen, getroffene und laufende Abhilfemaßnahmen, gegebenenfalls grenzüberschreitende Auswirkungen.
§ 34 Abs. 2 Z 4
Fortschrittsbericht anstelle des Abschlussberichts; der Abschlussbericht folgt dann spätestens einen Monat nach Beendigung der Vorfallsbehandlung.
§ 34 Abs. 2 Z 5
Das CSIRT antwortet spätestens 24 Stunden nach Eingang der Frühwarnung mit einer ersten Rückmeldung und, auf Ersuchen, mit Orientierungshilfen oder operativer Beratung (§ 34 Abs. 4).
Jede Meldung, an welches CSIRT auch immer, läuft über die Anwendung „NIS2-Services“ im Unternehmensserviceportal; für den Zugang ist ein USP-Konto erforderlich. Seit 1. Oktober 2026 nennt die Cybersicherheitsbehörde drei Computer-Notfallteams: das GovCERT der Behörde, von Gesetzes wegen das CSIRT der öffentlichen Verwaltung (§ 8 Abs. 4), das Austrian HealthCERT für das Gesundheitswesen (§ 8a Abs. 2 und 3 GTelG 2012, am selben Tag in Kraft getreten) und das nationale CSIRT. Dessen Aufgaben nimmt CERT.at als das nach dem NISG 2018 ermächtigte CSIRT wahr, bis die Behörde ein nationales CSIRT ermächtigt (§ 8 Abs. 2), längstens zwei Jahre ab Inkrafttreten (§ 51 Abs. 6). Ein eigenes CSIRT für Energie gibt es nicht.
So nennt es die Behörde auf ihren Seiten „Meldepflicht und Fristen“ und „Computer-Notfallteams (CSIRTs)“ (abgerufen am 28. Oktober 2026); die früheren Meldeplattformen aus der Zeit des NISG 2018 leiten auf die Website von CERT.at weiter. Ist das Portal vorübergehend nicht verfügbar, stellt die Behörde unter „Recht und Dokumente“ PDF-Meldeformulare bereit, eines je Meldetyp; CERT.at bittet, sie an [email protected] zu senden. Ermächtigt die Behörde ein neues nationales oder sektorspezifisches CSIRT, hat sie das so kundzumachen, dass es einen möglichst weiten Adressatenkreis erreicht (§ 8 Abs. 5).
Ein Vorfall gilt als erheblich, wenn er schwerwiegende Betriebsstörungen oder schwerwiegende finanzielle Verluste für die Einrichtung verursacht hat oder verursachen kann, oder andere Personen durch erhebliche materielle oder immaterielle Schäden beeinträchtigt hat oder beeinträchtigen kann (§ 35 Abs. 1). § 35 Abs. 2 gibt Kriterien für die Abwägung: die Abhängigkeit anderer Sektoren von Ihrem Dienst, mögliche Auswirkungen auf Umwelt, öffentliche Ordnung und Gesundheit, Ihr Marktanteil.
Seit 1. Oktober 2026 gibt es dazu Zahlen. Nach § 5 Abs. 1 der NISV 2026 (BGBl. II Nr. 290/2026) gilt ein Vorfall jedenfalls als erheblich, wenn eines dieser Kriterien erfüllt ist:
Bei Z 1 bis 4, 7 und 8 genügt, dass der Vorfall die Folge verursachen kann. Planmäßige Betriebsunterbrechungen und geplante Folgen planmäßiger Wartungsarbeiten gelten nicht als erheblich (§ 6 NISV 2026). Reglyze dokumentiert die Abwägung je Vorfall, damit die Entscheidung gegen eine Meldung ebenso belegbar ist wie die Meldung selbst.